Dopamin und Belohnung

Dopamin ist ein Katecholamin-Neurotransmitter, der eine zentrale Rolle im Belohnungs- und Motivationssystem spielt. Entgegen dem Volksglauben kodiert Dopamin nicht Genuss (“Mögen”), sondern Erwartung und Verlangen (“Wollen”).

Details

Dopaminerge Pfade im Gehirn

PfadVon → NachFunktion
NigrostriatalSubstantia nigra → StriatumMotorsteuerung (bei Parkinson betroffen)
MesolimbischVTA → Nucleus accumbensBelohnung, Motivation, Sucht
MesokortikalerVTA → Präfrontaler KortexKognition, Arbeitsgedächtnis, Planung
TuberoinfundibulärHypothalamus → HypophyseProlaktinhemmung

Dopamin = Vorhersagefehler-Signal

  • Schultz-Experimente (1990er): Dopamin-Neuronen der VTA feuern nicht bei der Belohnung selbst, sondern bei einem unerwarteten Belohnungsreiz
  • Temporal Difference-Modell: Dopamin kodiert Reward Prediction Error (RPE):
    • Unerwartete Belohnung → Dopamin-Ausschüttung ↑
    • Erwartete Belohnung → kein Dopaminanstieg
    • Erwartete Belohnung bleibt aus → Dopaminabfall
  • Direkte Verbindung zu Reinforcement Learning (RL) und Prediction Error

Wollen vs. Mögen (Kent Berridge)

  • “Liking” (Mögen): hedonistisches Erleben von Genuss → eher durch Opioid-System
  • “Wanting” (Wollen): motivationaler Antrieb, Verlangen → Dopaminsystem
  • Dissoziation möglich: Sucht = hohes Wanting bei niedrigem Liking (Toleranz)
  • Dopamin treibt auf Belohnung zu, auch wenn die Erfahrung selbst nicht mehr befriedigend ist

Neugier und Lernen

Klinische Relevanz

  • Parkinson: Verlust nigrostriataler Neuronen → Motordefizite (→ L-DOPA)
  • Schizophrenie: Hyperdopaminergie mesolimbisch → Positivsymptome; Hypodopaminergie mesokortikaler → Negativsymptome
  • Sucht: Nikotin, Kokain, Amphetamine → massive Dopaminausschüttung im Nucleus accumbens
  • ADHS: veränderte Dopamin-Signalgebung im PFC

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Tags: neuroscience dopamine reward
Superlink: 052 🫧Hormone und Neurotransmitter

Verbindungen

Created: 06/05/26