Serotonin (5-HT)

Serotonin (5-Hydroxytryptamine, 5-HT) ist ein Monoamin-Neurotransmitter, der aus der Aminosäure L-Tryptophan synthetisiert wird. Er moduliert Stimmung, Schlaf, Aggression, Appetit und soziales Verhalten — und ist das Hauptziel von Antidepressiva (SSRIs).


Serotonin (5-HT) — 3D-Molekülstruktur (Wikimedia Commons, CC BY-SA)


Synthese & Anatomie

L-Tryptophan
  ↓ (Tryptophan-Hydroxylase, [[tryptophan hydroxylase]])
5-Hydroxytryptophan (5-HTP)
  ↓ (DOPA-Decarboxylase)
Serotonin (5-HT)
  ↓ (MAO-A abbau)
5-HIAA (inaktiv, im Urin messbar)
  • Hauptproduktionsort im Gehirn: raphe nucleus (Raphekerne im Hirnstamm) → projizieren in fast alle Hirnregionen
  • 90% des Körper-Serotonins befindet sich im Darm (enterisches Nervensystem) — reguliert Darmmotilität, nicht Stimmung
  • Serotonin kann die Blut-Hirn-Schranke nicht überqueren → Gehirn- und Darm-Serotonin sind getrennte Pools

Rezeptoren

Serotonin hat 14+ Rezeptorsubtypen (5-HT1–7), fast alle metabotrop (GPCR):

  • 5-HT1A — autoreceptor (Soma), anxiolytisch, somatodendritisch hemmend
  • 5-HT2A — postsynaptisch, Kognition, Halluzinationen (Ziel von LSD/Psilocybin)
  • 5-HT3 — einziger ionotroper Rezeptor, Übelkeit (Ziel von Antiemetika)
  • 5-HT4 — Darmmotilität, Gedächtnis

Funktionen

FunktionMechanismus
StimmungsregulationModuliert PFC, Amygdala; Mangel → Depression/Angst
SchlafFördert non-REM; REM-Schlaf unterdrückt 5-HT
Aggression & ImpulsivitätNiedrige 5-HT → erhöhte Aggression + Impulsivität
AppetitSättigung, Gewichtskontrolle (5-HT2C)
Soziales VerhaltenRangordnung, Dominanz, prosoziales Verhalten
SchmerzmodulationAbsteigende Hemmung des Schmerzwegs

Low levels of serotonin in the brain were shown to be associated with elevated levels of human Aggression. So a decrease in serotonin levels increases impulsivity. — Sapolsky, Behave p.75


Wiederaufnahme: SERT / 5HTT

Der Serotonin-Transporter (SERT = 5HTT) räumt Serotonin aus dem synaptischen Spalt zurück in die präsynaptische Zelle — das ist der Angriffspunkt von SSRIs:

  • SSRIs (z.B. Fluoxetin/Prozac, Sertralin) blockieren SERT → mehr 5-HT im Spalt
  • Effekt setzt verzögert ein (~2–4 Wochen) → desintizierung der 5-HT1A-Autorezeptoren nötig
  • 5HTTLPR Genpolymorphismus: Kurze Variante des SERT-Gens → weniger Transporterexpression → höheres Risiko für Depression unter Stress (Gen × Umwelt-Interaktion)

Klinische Relevanz

Störung / InterventionSerotonin-Zusammenhang
DepressionVerminderte serotonerge Aktivität (vereinfacht)
Zwangsstörung (OCD)Hochdosierte SSRIs effektiver als bei Depression
Soziale Angst5-HT1A-Agonisten (Buspiron) wirksam
MigräneTriptane = 5-HT1B/D-Agonisten
Serotonin-SyndromÜberstimulation (SSRIs + MAO-Hemmer) → Hyperthermie, Agitation, lebensbedrohlich
PsychedelikaLSD, Psilocybin, DMT = 5-HT2A-Agonisten

Serotonin ≠ “Glückshormon”

Serotonin ist kein einfaches “Wohlfühl-Molekül” — es moduliert Salienz und soziale Hierarchie. Höhere serotonerge Aktivität → höhere Dominanz in Primaten (Lobster-Effekt). Es ist eher ein Signal für Stabilität, Sicherheit und sozialen Status als für Glück selbst.


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Quellen / Sources

Serotonin – Wikipedia

Erstellt: 15/06/26